Zahnfleischerkrankungen

Die bekannten Zahnfleischerkrankungen heißen Gingivitis (eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleischs, der Gingiva) und Parodontitis (eine bakteriell bedingte Entzündung, die sich in einer weitgehend irreversiblen Zerstörung des Zahnhalteapparates - Parodontium zeigt).
Ob überhaupt eine Erkrankung des Zahnhalteapparates und wenn, in welcher Form, vorliegt, diagnostiziert der Zahnarzt durch Bestimmung des Parodontalen Screening- Index (PSI) bei der Vorsorgeuntersuchung.
Mittels einer Spezialsonde werden Zahnfleichtaschen millimetergenau ausgemessen. In diesem Zusammenhang werden auch Zeichen einer Entzündung (Schwellung, Rötung, Blutung, Schmerz) festgestellt.
Daraus beurteilt der Zahnarzt den Zustand des Zahnfleischs bzw. des Zahnhalteapparates und bespricht mit dem Patienten die notwendige Therapie.

Gingivitis

Wesentlich ist, dass die Gingivitis nicht als eine einzelne Erkrankung verstanden wird, sondern als ein Spektrum von Erkrankungen. Diese gingivalen Erkrankungen repräsentieren das Ergebnis verschiedener pathologischer Prozesse im Bereich des Zahnfleischs.


Mögliche Ursachen für eine Gingivitis

Die Ursachen für eine Gingivitis sind einerseits in einer bakteriellen Plaque zu suchen, andererseits in einem veränderten Hormonhaushalt aufgrund einer bestehenden Schwangerschaft oder auch in Nebenwirkungen einiger Medikamente.

Anzeichen einer Gingivitis

  • Zahnfleischbluten
  • Rötungen, Schwellungen und Berührungsempfindlichkeit des Zahnfleisches in aktiven Entzündungsstadien außerdem
  • Mundgeruch
  • Eiterbildung am Zahnfleisch

Therapie einer Gingivitis

Das Therapieziel besteht darin, den Entzündungszustand des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates zu reduzieren und Plaque und Zahnstein, sowie entzündungsfördernde Faktoren zu beseitigen. Die Behandlung gliedert sich in verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Maßnahmen.

Die erste Phase stellt eine umfassende Diagnostik dar, wodurch Art, Schwere und Verlauf der Erkrankung bestimmt werden.

Anschließend werden in der sog. Hygienephase alle supragingival (oberhalb des Zahnfleischrandes) gelegenen harten und weichen Beläge entfernt (professionelle Zahnreinigung, PZR). Dabei wird dem Patienten auch gezeigt, wie er zu Hause eine optimale Zahnpflege betreiben kann. Spezielle Zahnpflegeprodukte unterstützen die häusliche Zahnfleischpflege.
Nach einem individuell bestimmten Zeitintervall wird eine erneute Beurteilung des Zustandes der Gingiva vorgenommen, auf deren Grundlage der Zahnarzt mit dem Patienten die weitere Therapie bzw. die notwendigen Recall-Termine bespricht.
Dieser Vorgang muss zumeist mindestens einmal wiederholt werden.

Parodontitis

Man unterscheidet eine apikale (von der Wurzelspitze ausgehende) und eine marginale (vom Zahnfleischsaum ausgehende) Parodontitis, welche jedoch auch ineinander übergehen können (Paro-Endo-Läsionen). Ursache für die apikale Parodontitis ist ein marktoter Zahn. Die Therapie besteht in einer Wurzelkanalbehandlung, einer Wurzelspitzenamputation oder dem Entfernen des Zahnes.

Mögliche Ursachen der Paradontitis marginalis

Die Parodontitis wird wie Gingivitis durch Bakterien ausgelöst. Außerdem wird aktuell eine Störung des immunologischen Systems diskutiert. Aber auch andere Faktoren können die Ursache für Paradontitis sein, so zum Beispiel die negativen Wirkungen von Nikotin, von Medikamenten oder auch systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Hauptunterscheidungsmerkmal ist der bei der Parodontitis vorhandene, röntgenologisch nachweisbare Knochenabbau, während die vertieften Zahnfleischtaschen bei der Gingivitis durch die entzündliche Schwellung der Gingiva zustande kommen. Eine langandauernde Gingivitis (Zahnfleischentzündung) kann auf den Kieferknochen, die Wurzelhaut und das Zement übergreifen. Der Übergang ist jedoch nicht zwangsläufig. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kann eine Gingivitis über Monate und Jahre bestehen, ohne auf andere Strukturen überzugreifen. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Sowohl bei der Gingivitis als auch bei der Parodontitis werden aus dem Biofilm bakterielle Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte freigesetzt, die Abwehrreaktionen des Körpers auslösen. Die Hauptrolle bei der Gewebszerstörung selbst spielt das eigene Immunsystem, das versucht, die Bakterien zu beseitigen. Diese Immunantwort besteht aus einer vielfältigen Abfolge von Reaktionen und Aktionen, bei der verschiedene Entzündungsstoffe und –zellen beteiligt sind. Unter anderem werden Enzyme gebildet, die die Bakterien zerstören sollen, jedoch auch zu einer Zerstörung von Eigengewebe führen. Das führt letztlich zum Verlust von Bindegewebe und Knochen. Das Ergebnis der Reaktion auf die Bakterien sind Zahnfleischbluten, Taschenbildung, Zurückgehen des Zahnfleischs und schließlich Lockerung und Verlust der Zähne.


Anzeichen einer Paradontitis

  • Zahnfleischbluten
  • Rötung, Schwellung und Berührungsempfindlichkeit des Zahnfleischs im aktiven Entzündungsstadium
  • Mundgeruch
  • Eiterbildung am Zahnfleisch
  • In fortgeschrittenem Stadium auch Zahnfleischrückgang (Die Zähne scheinen länger zu werden.)
  •  Zahnlockerung/ Zahnwanderung


Therapie einer Paradontitis

Die Therapie erstreckt sich über drei Etappen.

1. Etappe - Vorbereitungs- und Hygienisierungsphase

In ca. drei Behandlungen wird in dieser Phase das betroffene Zahnfleisch hygienisiert. Ziel dieser Maßnahme ist die Entfernung aller supra- und leicht subgingivialen Beläge (ober- und unterhalb des Zahnfleischsaumes), um den Entzündungszustand der Gingiva deutlich zu reduzieren. Zudem soll der Patient befähigt werden, auch bei der häuslichen Zahnpflege die schwer zugänglichen Bereiche effizienter zu pflegen.

Den Abschluss dieser Maßnahmen bildet die Erhebung des PA-Status der Gingiva. Dabei wird wiederum eine exakte Messung der Taschentiefen jedes Zahnes vorgenommen. Zusätzlich wird der Lockerungsgrad und die paradontale Rezession bestimmt. Freiliegende Wurzelfurkationen werden im Behandlungsplan markiert.
Die PA-Behandlungspläne werden zur Genehmigung bei den GKV-Kassen eingereicht. Privat versicherte Patienten können ebenso die geplante PA-Behandlung bei ihrer Krankenkasse zwecks der Kostenübernahme einreichen.

2. Etappe - Systematische PA-Therapie

Diese zweite Phase umfasst die systematische Paradontaltherapie. Dabei werden unter Lokalanästhesie die in der Tiefe angesammelten Bakterienkolonien und die harten Auflagen (Konkremente) mit Hilfe spezieller Instrumente von den Wurzeloberflächen entfernt. Bei Bedarf werden außerdem erkrankte Teile des Zahnfleischs entfernt. Eine mechanische Wurzelglättung schließt die schonende Zahnfleischbehandlung ab.
Begleitend kann die systematische PA-Therapie entweder durch Antibiotikatherapie oder durch eine lokale photodynamische Therapie unterstützt werden.

Die Antibiotikagabe richtet sich nach dem Schweregrad der Paradontitis. Sinnvoll ist im Vorfeld eine Bestimmung des Bakterienspektrums mithilfe eines einfachen Speicheltests. Dies ermöglicht eine gezieltere Auswahl notwendiger Medikamente.
Um die Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie zu umgehen kann alternativ auch auf eine Photodynamische Therapie  zurückgegriffen werden, welche durch Behandlung mit einem Softlaser als eine schonende, absolut nebenwirkungsfreie Therapie eingestuft werden kann. Hierbei wird ohne „chemische Zusätze“ die Bakterienzahl in den Zahnfleischtaschen deutlich reduziert. Dies beschleunigt als angenehme Nebenwirkung sogar die Wundheilung. (Link: Die photodynamische Therapie)
Nach einer Regenerationszeit von ca. 6 Wochen wird der Zustand des Zahnhalteapparates erneut beurteilt. Bei einer Zahntaschentiefe von unter 3,5 mm und genereller Entzündungsfreiheit folgt nun Phase drei – die individuelle Nachsorge.
Sind jedoch diese Merkmale nicht erreicht, beginnt erneut Phase eins mit der Diskussion folgender Fragestellungen: Wie kann der Patient seine häusliche Zahnpflege verbessern? Wie hoch ist der Wirkungsgrad anderer Faktoren wie Rauchen, Medikamente u.ä.? Müssen resistente Bakterienarten vermutet werden, die in speziellen Tests ermittelt und mit spezifischen Antibiotika behandelt werden müssen?

Dann folgt Phase zwei erneut mit einer weiterführenden Therapie, der Offenen Kürettage (Lappenoperation). Sie kommt zur Anwendung, wenn die Sondierungstiefen größer als 5,5mm sind.
Dabei wird bei lokaler Anästhesie die Zahnwurzel unter direkter Einsichtnahme wiederholt gesäubert und geglättet, sowie bei bestimmten Voraussetzungen auch die verloren gegangene Hartsubstanz bzw. der Faserapparat regeneriert. Wir verwenden dazu Knochenersatzmaterialien und Schmelz-Matrix-Prokine. Nach erfolgreichem Abschluss dieser erweiterten Therapie folgt nun die:


3. Etappe - Paradontale Nachsorgephase

Wir vereinbaren mit Ihnen Termine, an denen besonders schwer zugängliche Bereiche der Zahnhygiene in Form einer medizinischen PZR durch unser hervorragend geschultes Fachpersonal von Belag befreit werden. Unser Ziel ist es, die Wiederbesiedelung der Zahnfleischtaschen mit krank machenden (pathogenen) Keimen zu verhindern. Im zweijährigen Turnus werden im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen erneut die Taschentiefen gemessen.
Paradontitis ist leider meist eine über einen längeren Zeitraum sich verschlimmernde, chronisch verlaufende Erkrankungsform, die ohne zusätzliche Maßnahmen zur Zahnreinigung immer wieder auftreten kann. Professionelle Zahnreinigung kann dieser Erkrankung vorbeugen!

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